Professor Schmidthausen betritt die Bühne mit der Ankündigung, im Vergleich zu Analayo Bikkhu, einen trockenen akademischen Vortrag halten zu werden, da dieser von heiteren Anekdoten belebt war.
Er stellt für das “vierfache Bereithalten der Achtsamkeit” die Kurzformel vor, welche in den Quelltexten verwendet wird. Diese beinhalte schon in sich, dass man dem jeweiligen Beobachtungsgegenstand kontinuierlich mit der Beobachtung folgt, namentlich Körper, Gefühlen, Denken und den Dharmas. Dem stellt er die erweiterte Kurzformel gegenüber, welche ergänzt ist um die drei Betrachtungsweisen: innen, außen, innen wie außen.
Diese drei Betrachtungsweisen oder Perspektiven nimmt Professor Schmidthausen als Kategorien mit welchen er einige Beispiele aus den Texten durchgeht. Nach manchen Kommentaren könnten im Kontext mit “innen” Eingeweide und mit “außen” die Haut gemeint sein, oder “innen” die materiellen Sinnesorgane im eigenen Körper, “außen” alle Materie die nicht zum Körper gehört und mit “innen wie außen” alle Materie des Körpers die aber nicht Sinnesorgan ist.
Ein überzeugenderes Beispiel, welches Professor Schmidthausen liefert, ist folgende Atembeobachtung. Beobachtet man den eigenen Atem ist es “innen”, beobachtet oder visualisiert man die Atmungslosigkeit eines Leichnams ist das “außen”, und visualisiert man sich selbst als diese Leiche, ist es “innen wie außen”.
Er bezieht sich auf eine ältere Publikation von Bikkhu Analayo und findet ein, heutzutage im Buddhismus ungewöhnliches Beispiel, wie sich “im Außen” sich auch auf andere praktiziere beziehen kann. So können Achtsamkeitsübungen nicht nur auf die eigenen Gefühle, den eigenen Geist beziehen, sondern auch den von anderen Praktizierenden. Vielleicht, so schließt sich Professor Schmidthausen scheinbar Bhikku Analayos Vorschlag an, ist hierunter eine indirekte Erkenntnis zu verstehen, durch das Beobachten von Verhalten, Körperhaltung, Mimik, und so weiter.
Am Ende des Vortrags gibt es eine Frage aus dem Publikum bezüglich der Unreinheit des Körpers, ob diese Wertung bei der Achtsamkeitspraxis nicht nutzlos oder gar hinderlich sei.
Professor Schmithausen antwortet, dass dieses “unrein” im Text steht, aber eher wie eine Ergänzung wirkt, und es vielleicht auch unter dem Aspekt der Praxis gesehen werden müsse, die sexuelle Begierde zu überwinden.
Frau Professor Neumaier merkt an, dass zur Zeit und am Ort der Niederschrift ein völlig anderer sozialer Kontext herrschte. Sogar das Waschen der Kleidung sei noch heute eine unreine Aufgabe weil sie mit unreinen Substanzen zu tun habe. So ließe sich vielleicht auch der Zusatz “unrein” verstehen, wenn von den Bestandteilen des menschlichen Körpers die Rede ist.