Herr Van Dam kündigt einleitend an, dieser Vortrag wäre weniger aus der buddhistischen Sichtweise gehalten, als vermutlich die Mehrzahl der restlichen des Kongresses. Nicht zuletzt nähme er auch eine Gegenposition zum Vortrag von Prof. Rupert Gethin ein, da er MBSR – MBCT durchaus positiv und chancenreich sähe.
Anhand von Diagrammen zeigt er, dass das Funding für Meditations-, Achtsamkeits und Yoga-bezogene Studien um das 4- bis 5-fache gestiegen ist in den letzten 10 Jahren. In allen Bereichen sei eine signifikante und bedeutsame Wirksamkeit bei Achtsamkeitsmethoden oder achtsamkeitsbasierten Behandlungen messbar, bei Depression, physischen Schmerzen, HIV, Krebs bis hin zur Multiplen Sklerose. Und die Effekte blieben, laut Van Dam auch über Jahre hinweg stabil. Man könne also schlussfolgern, dass die Methoden funktionieren.
Man müsse nun nochmal die Definitionen durchgehen und sie in einen neuen Kontext setzen, so dass sie auch von den Wissenschaftlern aufgenommen werden.
Definition von Jon-Kabat-Zinn: “Mindfulness is basically a particular way of paying attantion…”
Er erwähnte an dieser Stelle nochmal, dass (entgegen des vorherigen Vortrags von Prof. Rupert Gethin) MBSR – MBCT nicht so schlecht ist, wie es vielleicht angenommen wird, sondern sehr hilfreich sein kann.
Es gäbe in dieser medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaft viele Diskussionen darüber, wie der Buddhismus selbst Dinge wie Achtsamkeit definiert, aber dennoch lehrten und propagierten sie kein Śamatha oder andere Buddhistische Inhalte.
Er erklärt die Schwierigkeit Definitionen zu finden die sowohl messbar sind, aber nicht zu sehr vereinfachen. MBSR findet seine Anwendung natürlich vor allem im medizinischen und psychotherapeutischen Kontext.
Er umreisst in seinem Vortrag wie Mindfulness Based Interventions (MBI) durchgeführt werden, und wie man versucht die Probleme zu umgehen, die man sich mit Fragebögen oder Umfragen als einzigen Indikator einhandelt.
“Was auch immer in den Achtsamkeits-Fragebögen drin steht, das ist die Definition von Achtsamkeit.”
“Achtsamkeit funktioniert – jetzt müssen wir nur noch besser darin werden herauszufinden wie…”
Im Anschluss gibt es die Frage, ob Achtsamkeit für jeden Menschen hilfreich sein könne?
Alan Wallace nimmt sich der Frage an: es wäre so wie zu fragen “ist Wissenschaft das richtige Mittel für alle Fragen?” oder sogar “…die wissenschaftliche Methode…”. Manchmal meinen Leute mit Meditation Achtsamkeit und manchmal nur eine Unterart von Achtsamkeit. Ist brauner Reis das richtige Essen für jede Person? Es ist sicherlich sehr gutes Essen! Achtsamkeit, bhavana, heißt entwickeln, kultivieren. Geduld kultivieren, Frieden kultivieren,… Wallace sagt, er sei überdrüssig ein beliebiges Hauptwort zu nehmen und zu fragen “ist das gut für jeden?” Außer Sauerstoff vielleicht. Das könnte vielleicht die eine Ausnahme sein. (Gelächter im Saal)
Dann gibt es eine Diskussion, ob es wirklich an der Achtsamkeitspraxis oder vielleicht an der Güte oder Aufmerksamkeit eines Lehrers liegt, also ob der Placeboeffekt ganz oder zumindest teilweise für die Behandlungserfolge verantwortlich sei. Nicholas Van Dam sagt, es gäbe wenige Studien zu diesem Thema und er fordert noch wesentlich mehr Untersuchungen, mit Kontrollgruppen, um genau dieser Frage fundiert auf den Grund zu gehen.
Eine Dame im Publikum fragt nach Euthanasie und Ven. Prof. Dr. Huimin Bhikshu antwortet es sei in der Tat nach dem Vinaya verboten, der Buddha selbst hätte bei vielen Gelegenheiten Sterbehilfe verboten, allerdings sollte die Diskussion darüber vielleicht wieder eröffnet werden. Zur damaligen Zeit hätte es noch keine ernsthaften medizinischen Maßnahmen gegeben, wogegen heutzutage die Medizin sehr hoch entwickelt sei.