Hans Gruber sprach in seinem sehr detailierten Vortrag über die Hauptfacetten der Vipassana-Praxis, die auch Einsichts- oder Achtsamkeitspraxis genannt wird. Vipassana bildet neben Zen und dem tibetischen Buddhismus eine der drei Haupttraditionen des Buddhismus hier im Westen. Bekannt geworden ist die Vipassana-Praxis im Westen unter anderem durch “Mindfull-Based Stress Reduction” (MBSR) durch den amerikanischen Molekularbiologen Kabat Zinn.
Zwei der wichtigsten Vipassana-Methoden sind das sogenannte Labelling und die systematische Betrachtung der wechselnden Körperempfindungen.
Vipassana nun stellt eine methodische Ausformung der Hauptausagen zur Achtsamkeit (Sati) dar, wie sie in ursprünglichen buddhistischen Texten (z.B. Satipaṭṭhāna-Sutta und Anāpānasati-Sutta) zu finden sind. In diesen Texten werden die “Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit” (Körper, Empfindung, Geisteszustände, Dharmas) und auch das Ein- und Ausatmen behandelt. Die exakte technische Umsetzung dieser Anweisungen bleibt bleibt allerdings in diesen Schriften weitgehend offen.
Seit dem 19. Jahrhundert, also seit dem Beginn der Verbreitung von Vipassana von Birma aus, wird bis heute dynamisch an der methodischen Ausformung dieser Anweisungen aus den Sutten gearbeitet.
Was sind die Ziele von Vipassana? Neben der Etablierung einer “klaren” oder “hohen” Einsicht, oder Achtsamkeit in Bezug aus die direkt gegebene Situation des Menschen in Körper und Zeit, gelten Ethik (Sila), Sammlung (Samadhi) und Weisheit („Paññā“) als Ziele oder Früchte von Vipassana. Das hängt damit zusammen, dass schon im Palikanon das besonders engen Verhältnis zwischen Wissenklarheit und Ethik, Sampajañña und Sila betont wird. Wissenklarheit wiederum ist der Achtsamkeit benachbart. Wissensklarheit ist im Grunde die Kenntnis von den heilsamen oder unheilsamen Konsequenzen des eigenen Handelns und somit auch die Basis für Mitgefühl und die Grundlage für Ethik überhaupt.
Letztlich jedoch sind die eigentlichen Ziele von Vipassana im frühbuddhistischen Ursprungskontext (und sicherlich auch heute noch!!) die “befreienden Einsichten”, das tiefe Verstehen der “Vier Edlen Wahrheiten”, die Befreiung vom Leiden und den Ursachen des Leidens.
Herr Gruber gab in seinem Vortrag dann noch einige Beispiele zu den unterschiedlichen Gewichtungen innerhalb der verschiedenen Vipassana-Methoden. Dabei wird die erste und die zweite Hauptechnik in bezug auf das Satipaṭṭhāna-Sutta unterschieden sowie in offene Vipassana-Ansätze und solche Methoden, die sich auf das Anāpānasati-Sutta beziehen.
Wie schon vor Jahren als Kritik Herrn Gruber gegenüber als Krtitk vorgetragen, widerspricht seine These, dass auf die Versenkungsmeditation (Jhana) für die Befreiung verzichtet werden könne, diametral der gesicherten Konzeption des Buddhas vom achtgliedrigen Weg: Den in ihm wird doch samadhi mit den vier Versenkungen definiert. Im Übrigen ist m:E. die Versenkungslehre des frühen Buddhismus durchaus noch ihrem Verständnis nach erschließungsbedürftig, wie ich in meiner angenommenen Dissertation 2011 (in Vorber. zum Druck) ausführlich gezeigt habe.
Problematisch erscheint mir bei vielen Vipassana-Praktiken die Reduktion auf die reine Beobachtung elementarer physischer Vorgänge. Bei aller möglichen Erhöhung intuitiver Fähigkeiten kann dies zu einer (drastischen) Nivellierung der Potenzen des Geistes führen. (vgl. dazu schon kritisch Lama Anangarika Govinda)
Hallo,
Im Rahmen des Konferenzvortrags war meine Aussage lediglich, dass es in den Redensammlungen des Palikanons Belegstellen für zwei grundlegende Wege zu den befreinden Einsichten gebe – nämlich über die Jhânas und unabhängig von ihnen.
Diese unterschiedlichen Wege laut den alten Quellen spiegeln sich direkt in der heutigen Vipassanâ-Beegung wider. Die Namen der jeweiligen heutigen Gruppen bzw. Vertreter habe ich ebenfalls genannt.
Jene unterschiedlichen Belege widersprechen sich nun lediglich aus der Sicht geschlossener, in sich widerspruchsfreier “Systeme” (wie sie für den späteren Buddhismus charakteristisch sind, etwa für die Abhidhamma- oder die Abhidharma-Sammlungen des Theravâda und Mahâyâna oder auch den Visuddhi Magga von Buddhaghosa).
Die Redensammlungen des Palikanons konstituieren jedoch kein solches geschlossenes System, wie es bereits der bekannte Indologe Erich Frauwallner mit seinem Schluss zum “Erlösungspragmatismus” der Lehre des historischen Buddhas im Einzelnen nachgewiesen hat (vgl. seine “Geschichte der indischen Philosophie”).
Was es mit dieser “Nichtsystemhaftigkeit” der alten Lehre auf sich hat, habe ich mit dem Fazit meines Vortrags resümiert. Die unterschiedlichen Stränge in den Redensammlungen sind die Hauptquelle für die Vielgestaltigkeit der modernen Vipassanâ-Bewegung, die sich niemals
durch den Abhidhamma erkläre ließe. Er kommt nur bei manchen Techniken als zusätzlicher Kategoriengeber mit ins Spiel.
Das Manuskript des Vortrags steht nun hier auf meinem Blog:
http://www.buddha-heute.de/blog/2011/08/22/internationaler-kongress-achtsamkeit-eine-buddhistische-praxis-fur-die-gesellschaft-heute/
Laut Ihrer obigen Aussage scheinen Sie mit Ihrer Dissertation nachweisen zu wollen, dass die Jhânas eine notwendige Voraussetzung für die befreinden Einsichten seien. Es ist nicht Aufgabe einer wissenschaftlichen Arbeit, private Meinungen nachweisen zu wollen.
In den Redensammlungen gibt es objektiv Belegstellen für beide Wege, über und unabhängig von den Jhânas. Es ist Aufgabe von Wissenschaft, das zur Kenntnis zu nehmen. Diese Erkenntnis ist bereits fester Bestand allgemeiner wissenschaftlicher Standardwerke, wie der “Encyclopedia of Buddhism” (vgl. dort den Eintrag zu “Vipassana”).
An anderen Stellen meines Blogs wird “privat” über die Frage der Rolle der Jhânas für die Befreiung diskutiert.
Beste Grüße, Hans Gruber
PS) Zum Resümee meines Vortrags durch Thorsten: Ich habe nicht gesagt, dass “Vipassana … seit Jahrzehnten schon Objekt der neurowissenschaftlichen Meditationsforschung” sei. Was ich genau dazu gesagt habe, steht im oben verlinkten Manuskript.
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Ich hatte nur festgestellt, dass wohl ohne Zweifel im achtgliedirgen Pfad Samadhi steht und dies mit den vier jhaanas definiert wird. Das hat mit Privatmeinung nichts zu tun. Auch fur den sog. sukka-vipassaka ist ein gewisses Mass an (angrenzender) Sammlung unverzichtbar. Im Mahayana tibetischer Richtung kann allerdings die volle spirituelle Verwirklichung (sambodhi) nur unter Einschluss der vier dhyanas erreicht werden.
Ich habe in meiner ersten Antwort festgestellt, dass es (entgegen Ihrer anfänglichen Behauptung über meinen Konferenzvortrag) nicht meine eigene These ist, dass auf die Versenkungsmeditation der “Jhanas” für die Befreiung verzichtet werden könne.
Denn in den Redenammlungen des Palikanons erscheinen Belegstellen für diesen Weg ohne die Jhanas (wobei sicher auch für diesen Weg ohne die Jhanas eine bestimmte Sammlung als erforderlich gilt – ohne dass jedoch diese Sammlung in den Reden mit späteren buddhistischen Kategorien wie “angrenzender Sammlung” näher bestimmt wird).
Diese Belegstellen widersprechen – rein formal gesehen – den Belegstellen für den anderen Weg über die Jhanas.
Das hat damit zu tun, dass die Lehren der Redensammlungen kein geschlossenes System bilden – wie es der Abhidhamma des Theravada und des Mahayana, der Visuddhi Magga oder in vielen Hinsichten der von Ihnen erwähnte tibetische Buddhismus darstellt.
Die Nichtsystemhaftigkeit der frühen Lehre wird am besten mit dem “Erlösungspragmatismus” (des Indologen Erich Frauwallner) umschrieben (Näheres dazu im oben verlinkten Redemanuskript).
Überaus einflussreiche Lehrer wie Mahasi Sayadaw (der einflussreichste Vipassana-Meister Burmas) haben ausgehend von jenen Belegstellen in den alten Redensammlungen einen Vipassana-Weg unabhängig von den Jhanas gelehrt (sogar mit Warnung vor den Jhanas, weil deren Früchte leicht mit den Befreiungsfrüchten verwechselt werden könnten; was ein Thema bereits in den Redensammlungen ist, etwa in DN 1, wo diese Verwechslung als eine primäre “Verfehlte Ansicht” gilt).
Die meisten heutigen Buddhisten sind unbewusst von den späteren geschlossenen Systemen geprägt, weshalb sie große Probleme haben, diesen Charakter der frühen Lehre nachzuvollziehen.
Weil wir uns einmal persönlich länger unterhalten haben, kenne ich Ihre besondere Vorliebe für die Jhanas. Deshalb die Vermutung, dass es in Ihrer Arbeit um jenen Versuch geht. Aber da kann ich falsch liegen.
Ich bleibe dabei, dass die Lehre von den Versenkungen (jhaana bzw. samaapatti) erst einmal gründlicher verstanden werden muss, bevor man daran denkt, einen vipassnanaa- gegen einen samatha- (Geistessruhe-)Weg als altenrativ auszuspielen. Meine Dissertation dient u.a. diesem Anliegen, nicht einer bloßen “Vorliebe”, wie Sie unterstellen. Wie bei Ihrer Stellungsnahme zu Herrn Ott, neigen Sie offenbar dazu, Ihre Standpunkte hinter den von Dritten zu verstecken, so dass Sie trotz dezidierter Aussagen nach Bedarf unangreifbar bleiben. Philologische und historisch-kritische Belege einscließlich der chinesischen Aagamas sind hilfreich, führen aber leicht in Unzulänglichkeiten des Verständnisses, wenn kein Bemühen um Durchdenken (cintaa-) und meditatives Praktizieren (bhaavanaa-) hinzutritt. Bei den Jhaanas ist es offenbar schwierig, einen fundierten Erfahrungsvergleich zuzulassen, wenn man, wie Sie, a prioiri davon ausgeht, dass diese Praxis u.U. erlösungspragmatisch überflüssig ist. Es handelt sich dann um eine rein intellektuelle Debatte, die sie wissenschaftlich nennen mögen, aber letztlich an der Sache vorbeigehen (jhaaacinteyya). Eine gewisse Systematik muss nicht der Erlösungspragmatik widerstreiten. Ein eklatantes Beispiel sind die 37 zum spirituellen Erwachen führenden Faktoren (bodhipakkhiyaa-dhammaa) die im Theravaada zusammenhanglos von Gelehrten (inkl. weitgehend auch der Disseration v. Prof. Gethin) im Sinne einer bloßen Reihe für mnemotechnische Zwecke interpretiert werden, was schon der Stuupa-Symbolik widerstreitet, die im tibetischen Buddhismus aber inhaltlich erlösungspragmatisch sehr klar gedeutet wird (, wofür es – einschließend der Einrordnung der” Wahheiten der Edlen” – auch im Paali-Lehrredenkanon zahlreiche stützende Belege gibt). Mit einer “unbewussten” Beinflussung durch spätere Systeme hat dieses Bemühen um inneren Nachvollzung von Buddhas Grundlehren also nicht notwenig etwas zu tun.
Hallo Herr Coulsman,
Es geht hier nicht um “Ausspielen” eines Weges gegen einen anderen. Die Verteidigungshaltung, die Sie mit solchen Schlag-Worten einnehmen, bezeugt eine persönliche Identifikation mit einem bestimmten Entwicklungsweg, den Sie durch mich bedroht oder kritisiert sehen.
A) Es geht hier um das folgende wissenschaftliche Anliegen: Eine schlüssige Erklärung für die Vielgestaltigkeit der modernen Vipassana-Bewegung, deren Vertreter sich alle auf die Quellen des Palikanons berufen. Sie beziehen sich auf die zentralen Achtsamkeitsreden oder -aussagen des Buddha und andere frühbuddhistische Lehren. So betrachten sie diese als ihre primäre Quelle. Diese Vielgestaltigkeit lässt sich ausschließlich durch die Nichtsystemhaftigkeit bzw. teilweise Widersprüchlichkeit der Redensammlungen des Palikanons erklären.
In sich widerspruchsfreie, das heißt geschlossene Systeme, wie es die später entstandenen Quellen des Abhidhamma, des Visuddhi Magga und der Kommentare sind, lassen ihrem Wesen nach bloß eng begrenzte Ausgestaltungen zu. Damit hätte sich die große Vielgestaltigkeit der modernen Vipassana-Bewegung niemals entwickeln können.
Deshalb betrachte ich die Ansichten der Professoren Bhikkhu Analayo, Rupert Gethin oder Alexander von Rospatt, die in der Diskussion im Panel “Tradition versus Moderne” des Achtsamkeitskongresses die Bedeutung der geschlossenen Systeme für die Vipassana-Bewegung betont haben, als vollkommene Überschätzung dieser Systeme (vgl. dazu auch den Text auf meinem Blog: http://www.buddha-heute.de/blog).
Bhikkhu Analayo hat indirekt die Bedeutung dieser Systeme sowie der Konglomerate von Empfindungspunkten “Kalapas” für die Vipassana-Bewegung betont (vgl. Audio zwei auf meinem Blog, ab Minute 10.40), die noch nicht einmal Teil des Abhidhamma sind und aus noch späteren Kommentaren stammen.
Sie sind bloß charakteristisch für den Vipassana-Ansatz von S. N. Goenka. Analayo ist als ein Meditationslehrer ein Assistenzlehrender dieser Tradition, wo der Begriff “Vipassana” auf die spezifische Technik des “Body Sweepings” verengt wird.
Außerdem ist es eindeutig so, dass sich alle Vipassana-Vertreter mit ihren Begründungen primär auf die Reden des Buddha beziehen, und zwar auch diejenigen Vertreter, die den Abhidhamma und den Visuddhi Magga als zusätzliche Kategoriengeber mit heranziehen (z. B. Mahasi Sayadaw; oder S. N. Goenka). Ganz zu schweigen von den ebenfalls sehr einflussreich gewordenen Vipassana-Vertretern, die den Abhidhamma und den Visuddhi Magga als “überflüssig” betrachten, wie Meister der thailändischen Waldtradition (z. B. Ajahn Chah oder Ajahn Buddhadasa).
Ajahn Buddhadasa etwa hat den Begriff “Abhidhamma” bewusst abwertend als “Surplus-Dhamma” (überflüssiger Dhamma) übersetzt. Damit steht er durchaus auch in einer sehr alten Tradition: Bereits zur Zeit der frühbuddhistischen Schulen gab es die “Sautrantikas” (Nur-Sutra-Anhänger), die den Abbhidhamma insgesamt verworfen haben.
Während etwa in der Tradition von Mahasi Sayadaw oder S. N. Goenka von einer Reihe von Einsichtswissens “Vipassana-Nyana” die Rede ist, die nicht aus den Redensammlungen, sondern aus dem Visuddhi-Magga stammen, sprechen Vipassana-Lehrenden etwa der Linie von Ajahn Chah oder Ajahn Buddhadasa gar nicht von den Vipassana-Nyanas.
Doch von diesen Argumenten einmal ganz abgesehen:
Auch vom weithin anerkannten indologischer Standpunkt ist der “Erlösungspragmatismus” der Redensammlungen (laut Indologiepionier Erich Frauwallner), das heißt die konsequente Ausrichtung auf die konkrete Hilfe von Menschen, ein klares Unterscheidungsmerkmal der Redensammlungen gegenüber den später entstandenen, geschlossenen buddhistischen Systemen wie generell gegenüber moderner Philosophie, Theologie, Glaubensreligion, Metaphysik oder Spekulation.
Salopp gesagt:
Der Buddha ist kein modernen Philosoph oder gottgläubiger Prediger gewesen, der sich in einem Zimmer oder in der Klause eine geschlossene Theorie ausgedacht hat, um die ganze Welt vermeintlich widerspruchsfrei zu erklären. Es ging ihm einfach nicht um eine solche “theoretische” oder “theologische” Befriedigung für sich selbst.
B) Das habe ich nicht gesagt, was Sie mir vorhalten, nämlich: “Eine gewisse Systematik muss nicht der Erlösungspragmatik widerstreiten.”
Mit jener “Nichtsystemhaftigkeit” geht es mir ausschließlich um die Lehren der Redensammlungen des Palikanons, wenn sie als Ganzes betrachtet werden, das heißt um gewisse formale Widersprüche zwischen einzelnen Lehren innerhalb dieses Ganzen – wie zum Beispiel um den Widerspruch, dass es Belegstellen für einen Weg zu den befreienden Einsichten sowohl unabhängig als auch über die Jhanas gibt.
Das spiegelt sich heute in den entsprechenden beiden Gruppen der modernen Vipassana-Bewegung wider.
Mahasi Sayadaw ist der namhafteste moderne Vertreter des Befreiungsweges unabhängig von den Jhanas, der auch vor den letzteren gewarnt hat – ähnlich wie heutige einflussreiche Lehrer dieser Linie in Europa wie Bhante Sujiva. Mahasi Sayadaw ist ein Vipassana-Meister gewesen, der unter den burmesischen, stark dem Abhidhamma zugeneigten Theravada-Gelehrten aufgrund seiner tiefen Kenntnisses des gesamten Palikanons in höchstem Ansehen gestanden ist.
Es ging mir also nicht um die Negierung einer “gewissen Systematik” einzelnen Lehren für sich genommen. Diese Systematik (wie der “Vier Edlen Wahrheiten”, der “Fünf Fähigkeiten” usw.) ist vielmehr ein Kernmerkmal der Reden des Buddha. Deshalb heißt auch eine der alten Redensammlungen “Angereihte Sammlung”.
C) Aber viel interessanter im Zusammenhang dieser ganzen Diskussion scheint mir hier die folgende Frage zu sein:
Warum sind es eigentlich immer bloß die modernen Vertreter eines buddhistischen Befreiungsweges, der über die ausgeprägten Konzentrations- bzw. Sammlungszustände der Jhanas oder im tibetischen Buddhismus der Shamatha-Stufen verläuft, die durch einen gewissen Absolutheits- bzw. Alleingeltungsanspruch auffallen?
Das gilt gleichermaßen für die “wissenschaftlichen” Vertreter wie Sie selbst wie für die “traditionellen” Vertreter wie Ajahn Brahm wie für die “wissenschaftlichen und traditionellen” wie Allan Wallace, der auf der Achtsamkeitskonferenz einen besonders breiten Raum bekommen hat und heute diesen Weg für den tibetischen Buddhismus am stärksten “bewirbt”.
Dafür gibt es bloß zwei mögliche Erklärungen:
1) Der im Vergleich zum so genannten „Direkten Weg“, das heißt kürzeren Weg des Satipa??hana-Suttas indirekte, das heißt also längere Weg über die Jhanas oder über die diversen Ruhe- bzw. Shamatha-Stufen des tibetischen Buddhismus bedarf unbedingt der engen, beständigen Betreuung durch Institutionen, Zentren und Lehrer. Mit einem solchen Anspruch erklären sich diese Institutionen, Zentren und Lehrer selbst als unabdingbar für diesen Weg. Diese vermeintliche Unabdingbarkeit liegt also einfach in ihrem eigenen Interesse.
2) Die meisten heutigen Buddhisten haben in ihrer Vorgeschichte eine deutliche christliche Prägung. Es sind heute ja viel weniger die Atheisten, die zum Buddhismus kommen (obwohl sie genau genommen inhaltlich besser auf den frühen Buddhismus vorbereitet wären), als die in bestimmten Hinsichten enttäuschten Christen. Diese alte Prägung wirkt in diesen vormaligen Christen weiter fort, etwa in der Form, dass sie sich unter einer Religion alleine den einen, wahren Weg vorstellen können. Das wird dann auf den frühen Buddhismus projeziert.
Das erlösungspragmatische Vorgehen des Buddhas laut den Redensammlungen des Paliaknons schießt solche Absolutheitsansprüche schlicht und einfach aus.
D) Ich verstecke meine Standpunkte nicht hinter denen von dritten, wie Sie meinen, auch wenn ich dritte als Beleg zitieren mag, wie es wissenschaftlich geboten ist.
Die Audios der beiden Kommunikationen mit Herrn Ott (im Anschluss an meinen Vortrag im Panel “Tradition versus Moderne” und im Anschluss an das Panel “Neurowissenschaft”) stehen jetzt online in meinem Blog (www.buddha-heute.de/blog) für jeden zum Nachhören.
So kann sich jeder den ganzen Zusammenhang meiner Aussagen mit ihren genauen Begründungen vergegenwärtigen. Auf diese Weise ist hoffentlich jetzt auch sichergestellt, dass nicht mehr einzelne Bruchstücke herausgesucht werden oder ich falsch resümiert werde, um mir irgendetwas “anzuhängen”.
Viele Grüße, Hans Gruber