Professor Dr. Keuffer leitet mit der Frage ein, wie Achtsamkeit und Pädagogik zusammen passen? Achtsamkeit sei in der Pädagogik in den letzten Jahrzehnten kein Begriff gewesen. Erst in jüngster Zeit gäbe es Bücher zu Themen, wie “Achtsamkeit in der Schule”. Wie Vera Kaltwasser dargestellt hätte, gäbe es entsprechende Versuche nun auch schon in der Praxis, aber in ihrem Vortrag wären die vielen Schwierigkeiten, auf welche sie in ihrer Praxis oft gestoßen sei, unerwähnt geblieben. Er richtete dann aber dennoch vielen Dank an Frau Kaltwasser, denn diese Bemühungen würden zukünftigen Lehrergenarationen das Leben erleichtern.
Er stellte dann mehrere Thesen auf, beispielsweise, Lehrkräfte müssten die Achtsamkeits-Methoden zunächst selbst erlernen bevor sie es versuchen an ihre Schüler weiterzugeben. Achtsamkeitspraxis setze keine Religion voraus und könne keiner Glaubensrichtung zugerechnet werden.
Laut Jon Kabat-Zinn sei, solange jemand atme, mit ihm mehr in Ordnung als nicht in Ordnung. In der Schule würden wir dieses aber nicht vermitteln, sondern Druck und Stress.
Man könne eine Arbeitsdefinition für den schulischen Umgang etwa so aufstellen: “Wir beobachten den Geist und den Körper und führen den Körper immer wieder in den aktuellen Moment zurück.”
Alan Wallace beschreibt in seiner Achtsamkeits Revolution vielfältige Techniken, von denen wir allerdings nur die einfachsten realistisch gesehen in die staatlichen Schulen bringen könnten.
Was ist mit Nebenwirkungen, was steht auf dem Beipackzettel? Das müsse noch genau untersucht werden. Es könne passieren, dass bei falscher Atmung hyperventiliert wird, und wäre man als Lehrer dann darauf vorbereitet einen hyperventilierenden Schüler im Klassenraum zu haben?
Da wir die Errungenschaft der Trennung von Religion und Staat hätten, müsse in den Hochschulen Weltanschauungsfreiheit herrschen, denn es wäre verheerend, wenn wir Absolutheitsansprüche in die Schule bringen wollten.
Mit der Achtsamkeitspraxis müsse man versuchen einen bewertungsfreien Raum zu schaffen, fern dem Leistungsdruck, aber es müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn zu begründen, weshalb ein solcher bewertungsfreier Raum finanziert werden sollte, sei nicht ganz einfach.
Beim Bielefelder Projekt hätten sie viel mit Achtsamkeit in der Bildung experimentiert, allerdings im Gegensatz zu Vera Kaltwasser nicht nur mit positiven Resultaten.
Auch Achtsamkeit würde nicht zu einer perfekten Schule führen, aber sie könne dazu beitragen, dass eine Ökologie der Aufmerksamkeit entstünde. Schüler hätten Raum zu lernen, zu überdenken, sich auszutauschen, zu reflektieren. Dazu könne Achtsamkeit beitragen. Auch könne sie helfen der Zerstreuungskultur zu entkommen. Die Industrie setze alles daran, dass wir so abgelenkt seien wie es nur ginge. Die Dauerablenkung sei vorprogrammiert. Bildung sei das Gegenteil dieser Ablenkung, und Achtsamkeit das Mittel um dort heraus zu kommen.
Es sei kein Ziel von Unterricht gierige Konsumenten heran zu ziehen, sondern nach wie vor wäre das Ziel der Mündige Bürger. Wir brauchten Vordenker, wir brauchten Menschen welche diese Möglichkeit in der Schule, in der Bildung erproben und ihre Ergebnisse zusammen fassen, so dass Bausteine für die Zukunft entworfen werden könnten.
In der Pädagogik gäbe es noch keine empierisichen Daten, aber Professor Keuffer wolle an dieser Stelle ein Signal aussehenden. Es gäbe in der Pädagogik in den Peer-Review-Zeitschriften keinen einzigen Aufsatz zu diesem Thema. Das wolle schon etwas heißen.
Es sei noch gar nicht erforscht, ob wir die Schüler überhaupt mit Achtsamkeitsübungen positiv beeinflussen könnten und wüssten, selbst wenn, noch gar nicht was dieses Positive überhaupt sei.